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Zu viele Reize, zu wenig Filter. Hyperfokus, dann wieder – nichts. Ein Gedanke fasst gerade Fahrt auf, und schon ist er woanders. Du hast Strategien, Kalender, Apps, vielleicht Medikation, und trotzdem bleibt dieses Gefühl, im eigenen Nervensystem nicht ganz an-

Anzukommen, meine ich. Der Satz selbst kippt schon weg, bevor er fertig ist – genau das Muster, um das es hier geht.

ADHS wird oft als Willensschwäche erzählt – dabei zeigen Bildgebungsstudien, dass zentrale Dopamin-Signalwege anders arbeiten: Belohnung, die woanders schon lange angekommen wäre, braucht hier länger, bis sie ankommt, oder bleibt ganz aus. Die Suchtforscherin Nora Volkow hat genau das über Jahre mit bildgebenden Verfahren gezeigt – und warum Belohnungsaufschub sich für ein ADHS-Gehirn nicht wie Geduld anfühlt, sondern wie eine Wand.

Dazu kommt das Default Mode Network, jenes Ruhezustandsnetzwerk, das eigentlich leiser werden sollte, sobald Konzentration gefragt ist – bei ADHS bleibt es lauter, mischt sich ein, und der Gedanke schweift ab, noch bevor Du es bemerkst. Die exekutiven Funktionen – jene Steuerungsprozesse, die Impulse bremsen, Prioritäten setzen, einen Satz zu Ende bringen sollen – laufen unter anderen Bedingungen, nicht unter schlechteren. Nur eben unter anderen.

Und unter alledem: ein Nervensystem, das ständig reguliert – nur oft unbemerkt, unterhalb der Schwelle, an der Du es spürst. Genau da setzt Interozeption an, die Wahrnehmung dessen, was im Körper gerade an Erregung da ist. Wer ADHS hat, verliert diesen Kontakt leicht – Unruhe wird zu Hintergrundrauschen, nicht zu Signal.

Statt Diagnose oder Optimierung geht es hier um etwas Einfacheres: Anspannung, Unruhe, Leere als Signal lesen, nicht als Störung wegatmen. Nicht Ruhe erzwingen, sondern Kontakt herstellen zu dem, was gerade da ist – auch wenn es sich noch nicht beruhigt, sondern erst einmal nur gespürt wird.

Ich diagnostiziere und behandle ADHS nicht – das bleibt ärztlicher und therapeutischer Abklärung vorbehalten. Was möglich ist: einen Raum, in dem Dein Nervensystem über Atem und Körper regulieren darf, statt sich weiter zu erklären oder zu optimieren. Auch für Eltern von Kindern mit ADHS gilt das – Coregulation beginnt nicht beim Kind, sondern bei Deinem eigenen Nervensystem. Der Punkt, an dem viele erst innehalten müssen, bevor überhaupt vom Kind die Rede sein kann.

Nora D. Volkow u. a. haben Dopamin-Signalwege bei ADHS in einer Reihe von PET-Studien untersucht, u. a. Evaluating Dopamine Reward Pathway in ADHD, JAMA, 2009. Zum Default Mode Network und seiner Rolle bei Aufmerksamkeitsschwankungen: F. X. Castellanos u. a., Cingulate-precuneus interactions, Biological Psychiatry, 2008.


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