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Der Mensch hat sich über Jahrmillionen aus gemeinsamen Vorfahren mit anderen Primaten entwickelt. Nur etwa 1,2 % des Genoms unterscheiden Mensch und Schimpanse – ein erstaunlich kleiner Unterschied, der trotzdem für Sprache, reflexives Bewusstsein und die lange Kindheit reicht, die uns kennzeichnet. Wie viel davon in den Genen selbst festgeschrieben ist und wie viel erst durch Epigenetik – also durch An- und Abschalten von Genen je nach Umwelt und Erfahrung – zur Ausprägung kommt, ist eine der spannendsten offenen Fragen der Biologie.

Deine Prägung beginnt biologisch viel früher als die Geburt – das psycho-soziale Klima im Mutterleib gehört bereits Dir, wie es die Pränatale Psychologie seit Jahrzehnten beschreibt.

Eigentlich geht es rein biologisch noch viel früher los. Die Eizelle, aus der Du geboren wurdest, war bereits im Mutterleib Deiner Großmutter angelegt – weibliche Keimzellen entstehen vollständig vor der Geburt. In gewisser Weise hat ein Teil von Dir also bereits die Geburt Deiner Mutter miterlebt – und ihre jeweiligen Lebensrealitäten. Was diese Zellen dabei an Prägung tatsächlich mit sich tragen, wird über epigenetische Vererbung erforscht; wie weit sie reicht, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt – aber dass Umwelt und Erfahrung sich in biologisches Material einschreiben können, gilt als gesichert.

Das psycho-soziale Klima im Mutterleib – die Stimmung des Nervensystems, der Grad an Geborgenheit, Zuversicht und Lebensfreude … all dies wirkt sich schon lange vor der Zeugung auf Geburt und Fötus aus. Stanislav Grof hat aus dieser vorgeburtlichen und perinatalen Prägung ein eigenes Kartenwerk entwickelt, das ich in der Ressource zu den Geburtsmatrizen näher beschreibe.

Die Geburt ist ein komplexes Zusammenspiel zwischen Mutter und Kind, einzigartig in der menschlichen Evolution. Kein anderes Lebewesen bringt seine Nachkommen so früh und unreif zur Welt. Das Gehirn entwickelt sich größtenteils erst nach der Geburt weiter – ein Reifungsprozess, getragen von Myelinisierung und Neuroplastizität, der bis in die 20er andauert – und reift dabei in einer zunehmend digitalen Umwelt heran, die, gerade für unsere Jüngsten, bereits wichtigster Realitäts- und Bezugsraum ist.

Angefangen bei Kindern, die aus ihrem Kinderwagen heraus vor allem schwarze Scheiben statt Gesichter zu sehen bekommen. Bereits im Grundschulalter werden sie in die soziodigitale Welt eingewebt und funktionsnotwendig gemacht. Da steckt noch etwas ungelöste, lebendige Abwertung in meiner Perspektive – doch die Hauptfrage gilt nicht der Kritik, sondern dem wachsamen Hineinfragen und -leben in das selbstwirksame, erwachsene Mitgestalten unserer Zukunft.

Wenn Dich solche Gedanken interessieren – oder Du ganz anderer Meinung bist. Ich tausche mich herzlich gern darüber aus. Melde Dich.


Quellen: Zur Mensch-Schimpanse-Genomdifferenz: The Chimpanzee Sequencing and Analysis Consortium (2005), Nature. Zur pränatalen Anlage der Eizellen und epigenetischen Weitergabe über Generationen: Forschung zur transgenerationalen Epigenetik, u. a. zusammengefasst bei Epigenetik (Wikipedia). Zu Geburtserfahrung und Bewusstsein: Stanislav Grof, Die Psychologie der Zukunft.


Wenn Deine eigene Geburt bis heute nachwirkt: Im AtemDialog arbeiten wir genau daran – weniger reden, mehr Atem und Berührung als Prozessarbeit. Und wenn eine Entbindung Dich nicht loslässt – als Mutter, Vater oder Begleitperson: Schwere Geburt verarbeiten.